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Biozide ist der Oberbegriff für Chemikalien, die zur Bekämpfung lebender Organismen eingesetzt werden. Bei der Wahl eines Mikrobiozids sind mehrere Faktoren, wie z.B. mikrobiozide Wirksamkeit oder wirtschaftlich entscheident. Chlor ist das am häufigsten in industriellen Anwendungsgebieten benutzte Bakterizid. Neben Chlor werden auch Chlordioxid, Hypochlorit, Chlorisocyanurate, Amine, Ozon, UV-Licht und Schwefelverbindungen zur Entkeimung verwendet.
Amine und quaternäre VerbindungenDiese kationischen oberflächenaktiven Chemikalien sind organisch substituierte Stickstoffverbindungen. Quaternäre Verbindungen sind im alkalischen pH-Bereich sehr effektiv gegen Algen und Bakterien. Amine und quaternäre Ammoniumsalze werden verwendet, wenn eine sofortige und persistente Entfernung von Algen und Schleim gewünscht wird. Der Gebrauch von Aminen oder quaternären Ammoniumsalzen (Quats) erlaubt es, die Chlordosis zu reduzieren. Ihre mikrobiozide Wirkung ist durch die kationische Ladung bedingt, welche eine elektrostatische Bindung mit den negativ geladenen Teilen der Zellwand eingeht. Durch die elektrostatischen Verbindungen bilden sich Spannungen in der Zellwand und verursachen Zellyse und ein Absterben. Die quaternären Verbindungen verursachen den Zelltod auch durch eine Protein-Denaturierung, wobei sie die Durchlässigkeit der Zellwände verändern und damit die normale Aufnahme von lebenserhaltenden Nährstoffen in die Zelle reduzieren. Die Verbindungen finden nur beschränkt Anwendung, da eine Reihe von Schwierigkeiten auftreten können. So fällt ihre mikrobiozide Leistung stark in mit Dreck, Öl und Feststoffen belasteten Systemen ab. Wegen ihrer oberflächenaktiven Wirkung emulgieren sie Öle statt an der Zellwandbindung teilzunehmen, ein Mechanismus der den Behandlungsprozess abschwächt. Außerdem wirkt eine Überdosierung von quaternären Verbindungen stark schaumbildend. ChlorChlor wird seit vielen Jahren als Desinfektionsmittel eingesetzt, um Geschmacks- und Geruchsprobleme im Wasser zu beseitigen. In seiner letztgenannten Eigenschaft ist es das wirksamste aller Halogene. Die Menge des in einem offenen Kühlwassersystem notwendigen Chlors wird von einer Reihe von Faktoren bestimmt. Dazu zählen Chlorbedarf, Kontaktzeit, pH-Wert und Wassertemperatur. Wenn Chlorgas mit Wasser in Kontakt kommt, hydrolisiert es und bildet unterchlorige Säuren und Salzsäuren. Cl2 + H20 ==> HOCl + HClUnterchlorige Säure ionisiert dabei nach der hier folgenden reversiblen Reaktion: HOCl <==> H+ + OCl-HOCL <==> HCl + (O)Die biozide Wirksamkeit wird durch die Konzentration der unterchlorigen Säure bestimmt, während das Hypochlorit-Ion darauf nur einen geringen Einfluss hat. Die mikrobiozide Wirkung des Chlors in Form der unterchlorigen Säure beruht auf ihrer chemischen Einwirkung auf Fermente. Die mikrobiozide Wirkung des Hypochlorit-Ions beträgt im Vergleich zur unterchlorigen Säure nur noch ca. 1-2%. Dies ist dadurch bedingt, dass die undissoziierte Form (HOCl) wesentlich besser als das Hypochlorit-Ion (OCl-) die Zellmembran durchdringen und die Fermente oxidieren kann. Außerdem wirkt natürlich der atomare Sauerstoff oxidierend. Der Chlorbedarf bezieht sich auf die zur Reaktion mit Verunreinigungen benötigte Chlormenge. Organische Substanzen, wie Algen, Schleim, Kühlturmholz und Chemikalien, wie z.B. Schwefelwasserstoff benötigen eine bestimmte Chlormenge, deren Bedarf erst gedeckt werden muss, bevor ein ausreichender Chlorüberschuss im Wasser erreicht werden kann. Die Menge des für eine wirksame Kontrolle notwendigen frei verfügbaren Restchlorgehalts ist abhängig vom pH-Wert. Bei einem pH-Wert zwischen 6.0 und 8.0 genügen normalerweise 0,2 mg/l freies Restchlor. Wenn der pH-Wert zwischen 8.0 und 9.0 liegt, muss der Restchlorgehalt auf 0,4 mg/l erhöht werden, und bei einem pH-Wert zwischen 9.0 und 10.0 werden 0,8 mg/l Chlorüberschuss benötigt. Chlor ist ein ausgezeichnetes Algizid und Sporizid,und freie Restchlormengen von 0,5 mg/l oder etwas höher genügen im Normalfall, um die meisten Arten von mikrobiologischen Bewuchs wirksam zu bekämpfen. In den meisten Anwendungsbereichen zeigt Chlor auch eine ausgezeichnete bakterizide Wirkung, wobei jedoch einige Stämme der Aerobacter, Pseudomonas und Desulfovibrio eine erhebliche Widerstandsfähig entwickeln können. Durch die Oxidation mit Chlor können andere Probleme aufgrund organischer Inhaltsstoffe (Farbe, Geruch) beseitigt werden, dabei entstehen aber Trihalogenkohlenwasserstoffe (THM), die im Verdacht stehen karzinogen zu sein. Die Desinfektion mit Chlorgas kann außerdem zu erheblichen Geschmacksbeeinträchtigungen führen, wenn das Wasser Phenole enthält, aus denen Chlorphenole gebildet werden. Generell wird Chlor im Vorlauf kurz vor den Wärmetauschern eingespeist, da Chlor durch Sonnenlicht zerstört wird und beim Durchgang durch den Kühlturm durch die Belüftung verloren geht. Die Chloreinspeisung erfolgt kontinuierlich oder periodisch. Die Stoßchlorung wird allerdings bevorzugt, weil sie eine wirksame und kostengünstige Desinfektion garantiert. ChlordioxidChlordioxid ist ein stechend riechendes, gelbes Gas und ein oxidierendes Mikrobiozid, das bis vor kurzem hauptsächlich als Bleichmittel und farblösendes Mittel in der Zellstoff- und Papierindustrie als Mittel zur Zellstoffaufhellung Anwendung fand. Chlordioxid wurde 1944 in den USA erstmalig in der Wasserindustrie verwendet. Im Gegensatz zu Chlor bildet Chlordioxid keine unterchlorige Säure und ist nur als gelöstes Chlordioxid im Wasser existent. Obwohl es ein schwächeres Biozid ist, hat es in höheren pH-Bereichen eine bessere Leistungsfähigkeit als Chlor. Chlordioxid wird direkt am Einsatzort hergestellt, in dem eine starke Chlorlösung mit Natriumchlorit gemischt wird. Cl2 + 2 NaClO2 ==> 2 NaCl + 2 ClO2In kleineren Anlagen kann Chlordioxid durch Mischen von Salzsäure und Natriumhypochlorit produziert werden: HCL + HOCl + 2 NaClO2 ==> 2 ClO2 + 2 NaCl +H2ODie Dosiermenge an Chlordioxid bei der Entkeimung beträgt max. 0,4 g/m3 Wasser, je nach Gehalt an organischer Substanz. Die Kontaktzeit sollte wenigstens 30 Minuten betragen. In mit Ammoniakstickstoff und Phenolen verunreinigten Kühlwasseranlagen kann es jedoch durchaus in Betracht gezogen werden, da es mit organischen Verbindungen weniger stark reagiert als viele andere oxidierende Mikrobiozide. Ein weiterer Vorteil von Chlordioxid ist, dass es im Gegensatz zu Chlor im Wasser nicht mit Ammoniak reagiert und somit keine unerwünschten und giftigen Chloramine bildet. ChlorisocyanurateDiese organischen Chlorverbindungen werden in kleineren Industrieanlagen sehr geschätzt, wenn ein oxidierendes Mikrobiozid eingesetzt wird, jedoch die mit dem Chlordosierungsgerät verbundenen Investitionskosten nicht tragbar sind. Die Chlorisocyanurate sind feste Chlorverbindungen in Granulat- oder Tablettenform, die sich im Wasser auflösen und langsam Chlor und Cyanursäure freigeben. Es wurde zuerst zur Hygienebehandlung in Schwimmbädern verwendet. Dabei zeigte sich, dass Cyanursäure als Chlorstabilisator den Chlorverlust durch photochemische Reaktionen mit ultraviolettem Licht verringert. Dieser zusätzlich stabilisierende Faktor zusammen mit ihrer langsamen Löslichkeit machte diese Säure zu einem idealen Mittel bei der Anwendung in Kühlwasseranlagen. HypochloritHypochlorite sind Salze der unterchlorigen Säure und werden unter verschiedenen Markennamen hergestellt und vertrieben. Sie bestehen aus Natriumhypochlorit (NaOCl) oder Calciumhypochlorit (CaOCl2). Wird Natriumhypochlorit ins Wasser eingeleitet laufen folgende Gleichgewichtsreaktionen:
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